Samstag, 29. Juni 2013

Dessous nähen - schneeweißer BH 1

D e s s o u s   n ä h e n   -   S o m m e r l a u n e   2  

Nach dem Schnitt "Rebecca" von Sewy, aus weißer Microfaser/Baumwolle mit Rautenmuster, elastischer Spitze und Rüschengummi, Stoffträger. Mittelschwere Verarbeitung, d.h. der BH wird mit Powernet unterlegt, was für große Größen und leichtere Dessousstoffe empfehlenswert ist.
(Anmerkung: meine Methode weicht leicht von der empfohlenen Nähanleitung ab, die dem Schnittmuster beiliegt. Ich habe sie anhand der Materialien und der Stoffe und meiner persönlichen Vorlieben für mich optimiert.)


Ein Making-Of in drei Teilen  
Teil 1: Cup und Rahmen nähen

Zuschneiden mit Rollschneider: Obercup mit Spitzenbeleg, Untercup, Seitencup, Rahmen - Mittelstück, Seitenstücke mit Spitzenbeleg, Brustband, Träger, aus Dessousstoff, Untercup, Seitencup und Brustband werden mit Powernet gedoppelt, die Träger mit Powernet stabiler gemacht
Nahtzugabe 6 mm

Das Cup:

Spitze aufs Obercup auflegen, feststecken, mit Zickzack 3-3 (Stichlänge 3 mm, Stichbreite 3 mm) feststeppen, Spitze rundum mit Geradstich auf der Nahtzugabe festheften

 Untercup identifizieren, zunächst den Dessousstoff ans Obercup stecken, Paßzeichen beachten

 mit Geradstich steppen, 6 mm neben der Stoffkante. 
Powernet so auflegen, daß das Obercup dazwischen liegt, feststecken

 in der Naht steppen. Nahtzugabe auf 3 mm zurückschneiden

 Teil wenden, sodaß die Nahtzugabe zwischen Untercup und Powernet liegt - Ansicht von innen und außen

 mit Nadeln feststecken. Naht von rechts knappkantig mit Geradstich auf dem Untercup absteppen

 eine zweite Naht 4 mm daneben setzen, sodaß eine doppelte Steppnaht entsteht. 
Powernet mit Geradstich rundum auf Untercup festheften

 Ansicht von außen, von innen

Seitenteil identifizieren, Dessousstoff rechts auf rechts auf Ober/Untercup feststecken, Paßzeichen beachten. Steppen

Powernet-Seitenteil aufstecken, das Cup bleibt dazwischen, steppen, 
Nahtzugabe auf 3 mm zurückschneiden

 wenden, Nahtzugabe ist innen zwischen Dessousstoff und Powernet - Ansicht von außen, von innen

 feststecken, wie oben gezeigt doppelt absteppen, Powernet auf Seitenteil fortlaufend festheften
Ansicht von außen, von innen

 Oberkante Cup ausmessen, Rüschengummi 15 % kürzer zuschneiden, 
mit den Rüschen nach innen so feststecken, 
daß die geplante Naht 6 mm neben Stoffkante liegt

 von rechts mit Zickzack 3-3 feststeppen, dabei den Gummi gedehnt halten

 nach links wenden, am Anfang, in der Mitte und am Ende feststecken, nochmals leicht gedehnt von rechts mit Zickzack 3-3 festnähen

 Ansicht von außen, von innen. 
Wer mag, kann noch die Nahtzugabe knapp wegschneiden. 
Mich stört sie nicht, deswegen darf sie bleiben.
das zweite Cup gegengleich arbeiten

Der Rahmen:

 benötigte Teile - Mittelstück, Seitenstück mit Spitze belegt, Powernet und nichtdehnbare Einlage

 Vlieseline (z.B. H180) im nichtdehnbaren Fadenlauf zuschneiden und auf den Oberstoff aufbügeln

 Spitze auf Seitenteile aufstecken, die Seitenteile jeweils mit dem Mittelstück verbinden, feststecken, steppen

 so sieht´s von links aus


Nahtzugaben auseinanderlegen, vonn rechts jeweils 1mm neben der Naht absteppen, Nahtzugaben knapp zurückschneiden

 dasselbe auch mit Mittelstück und Seitenstücken aus Powernet tun

 Oberstoff und Powernett-Rahmen werden miteinader verbunden


Oberkanten Dessosustoff und Powernet links auf links zusammenstecken, steppen, 
Nahtzugabe knapp zurückschneiden, wenden

Oberstoffrahmen rundum auf Powernetrahmen feststecken, Oberkante 3 mm von oben absteppen, den Rest mit Geradstich aufeinanderheften, beide Lagen werden als eine weiterverarbeitet

damit sich nichts verzieht, habe ich die Stecknadeln dicht gesetzt. Die Spitze am Rand des Seitenstückes anheben, daß sie beim Heften nicht mitgefaßt wird

der fertige Rahmen ...
... mit den Cups, bereit zum Einsetzen

weiter mit Teil 2

Viel Vergnügen und viel Erfolg, Sathiya

Freitag, 28. Juni 2013

Nähirrtum Nr. 12

    Mit Nähirrtum Nr. 12 ist die Mini-Serie über die häufigsten Nähirrtümer vorläufig zuende.
    Ich hoffe, die/der eine oder andere hat sich darin wiedergefunden und Mut gefaßt, den einen oder anderen Irrtum zu überwinden. Falls ich etwas übersehen oder vergessen haben sollte, würde ich mich freuen, wenn man mich darauf aufmerksam machen würde.
    Lieben Dank fürs Lesen!

    1. jeder der eine Nähmaschine hat kann nähen
    2. Schnittmuster muß nicht angepaßt werden
    3. Zuschnitt braucht nicht so exakt sein, das zieht sich beim Nähen zurecht
    4. Nahtzugabe anzeichnen ist überflüssig
    5. Probeteil nähen nicht nötig
    6. welche Nähmaschine ist egal, Overlock unverzichtbar
    7. Stecknadeln oder Heften mit Nadel und Faden überflüssig, ich laß es weg, um Zeit zu sparen
    8. Stoffpreis und -qualität sind eigentlich egal
    9. ich bin zu blöd - ich kann das nicht
    10. ich brauche keinen Nähkurs
    11. Bügeln und Vorwaschen - frißt nur Zeit, das lass ich weg
    12. Nähtechniken - Reißverschluß, Knopfloch, unsichtbarer Saum sind zu schwer.
    Nähirrtum Nr. 12 ist der, vor dem sich die meisten Hobbynäherinnen am meisten fürchten.
    Die Nähtechniken Reißverschluß einsetzen, Knoploch nähen, säumen, unsichtbar säumen, Handnähte, Heften, Paspeln, um nur die häufigsten zu nennen, erzeugen geradezu Panik. Ich weiß wovon ich spreche, denn meine Rede war schon als Teenager: ich nähe meine Sachen erst dann selbst, wenn ich eine Nähmaschine mit Knopflochautomatik habe (es war für mich der pure Horror, Knopflöcher von Hand zu nähen)! Und - es kam wie ich es wollte: meine erste Nähmaschine hatte als wesentliches Merkmal eine Knopflochautomatik. :-)

    Daß es trotz Knopflochautomatik Näherinnen gibt, die sich vor Knopflöchern fürchten, kann ich gut verstehen, aber es hilft ja alles nichts. Wenn frau nicht nur Loops, Jerseykleider und Schlupfhosen mit Gummibund nähen möchte, kommt sie nicht drumherum, sich mit Reißverschlüssen und Knopflöchern zu befassen.
    Dazu mein ernstgemeinter Ratschlag: man nehme ein großes Stück Stoff und nähe dort ein Knopfloch nach dem anderen mit der Maschine, dicht bei dicht, in allen Größen und Stichlängen, bis man ganz genau weiß, wie es die Maschine macht und wie man im Notfall reagiert, wenn etwa plötzlich der Unterfaden zuende ist.
    Reißverschluß: dasselbe machen. Irgendwelche billigen oder alten, ausgetrennten Reißverschlüsse nehmen und aus zwei Stücken Stoff einen Rockschlitz oder aus drei Stücken einen Hosenverschluß simulieren und ganz genau nach Anleitung (z.B. Burda und Ottobre haben gut erklärte sogar bebilderten Anleitungen dazu) einen Reißverschluß nach dem anderen einnähen, bis man es in Fleisch und Blut hat. Übung macht den Meister.

    Säumen: in vielen Anleitungen ist zu lesen - Saum nach innen umbügeln, einschlagen und unsichtbar annähen.
    Ebenso ein Stück Stoff nehmen, rundum einen Saum bügeln, einschlagen und säumen: mit Handstichen entweder im Hexenstich (ergibt eine elastische Naht) oder fortlaufend im Geradstich oder schrägen Geradstich (mäßig elastisch) nähen, dabei jeweils nur 1 bis 2 Fäden des Oberstoffes pro Stich erfassen. Dabei genau beoabchten, was bei den einzelnen Stichen wie passiert, diese Beobachtung kann man vom Probestück problemlos auf das eigentliche Nähstück übertragen, und dabei noch seine Technik verfeinern. Kann oder soll mit Maschine unsichtbar gesäumt werden, am besten vorher heften oder den Saum mit Stecknadeln senkrecht zur Nahtlinie feststecken, den Blindstichfuß verwenden und genau nach der Anleitung des Nähmaschinenherstellers verfahren, dabei ebenfalls daruaf achten, daß die Maschinennadel jeweils nur 1 oder 2 Fäden des Oberstoffes erfaßt. Üben, üben, üben. Und werft die Overlock weg bzw. stellt sie zur Seite, sie kann einem hier nicht helfen.

    Die schwierigeren Nähtechniken wie Paspelierungen, eingesetzte Reverskragen, Manschetten, Ärmelschlitze, Kragen mit Steg, um nur einige anzuführen, kann man ohne weiteres aus Tutorials und Filmen aus dem Internet lernen. Auch hier empfehle ich dringend, es wenigstens einmal kalt, besser mehrmals, an einem Probestück zu üben, um das Prinzip zu verstehen, bevor sich an das eigentliche Kleidungsstück gewagt wird. Das reduziert Frust und Ärger auf ein absolutes Mindestmaß und die Freude am gelungenen Kleidungsstück ist umso größer.
    Die Probestücke kann man, wenn man sauber genäht hat, noch als Deko oder Patchwork-Detail verwenden.

    Ich wünsche allen Hobbynäherinnen guten Erfolg bei ihren Nähprojekten und hoffe, den einen oder anderen Denkanstoß in eine neue, andere, eventuell sogar bessere Richtung gegeben zu haben.
    Beste schönste Grüße, Sathiya

    Mittwoch, 26. Juni 2013

    Bin ich ein #nähnerd?

    Fragen von Frau Nahtzugabe: http://nahtzugabe.blogspot.de/2013/06/test-bin-ich-ein-nahnerd.html

    Danke fürs Ausdenken!
    Ich habe mich köstlich amüsiert, bin aber nur bei wenigen Fragen in der Lage, mit ja oder nicht ja zu antworten. Weswegen ich wohl kein #nähnerd bin, vor allem rede ich nicht so gern übers Nähen, ich tue es einfach. Aber schaun mer mal...

    1. Du checkst routinemäßig den Karoverlauf, wenn Menschen in deiner Umgebung Karohemden, -hosen oder -jacken tragen und bist meistens der Meinung, dass du den Zuschnitt besser hingekriegt hättest. ja. Die meisten Kaufsachen sind so nachlässig verarbeitet, daß einem ganz anders wird. Und ob ich es besser zuschneiden könnte. ;-)
    2. Bei Bezeichnungen wie "V8667" oder "M4769" hast du ein konkretes Bild eines Kleidungsstücks vor Augen. nein, die modischen Schnittmuster samt Code-Bezeichnungen sagen mir nichts
    3. Du bist schon einmal einer unbekannten Person auf der Straße unauffällig gefolgt, weil sie ein Kleidungsstück mit einem interessanten Schnitt trug, und du wissen wolltest, wie das konstruiert ist. ja
    4. Du nimmst im Laden Kleidungsstücke mit in die Umkleidekabine, aber nicht, um sie anzuprobieren, sondern um sie in Ruhe auf links zu drehen und den Schnitt oder bestimmte Verarbeitungsdetails zu studieren. Überhaupt gehst du fast nur noch zu Recherchezwecken in Läden. nein, ja, kommt drauf an. WENN ich mal in einem Klamottenladen bin...
    5. Wenn du nicht einschlafen kannst, gehst du in Gedanken Schritt für Schritt dein aktuelles Nähprojekt durch und überlegst dir, wie du es nähen wirst. ja und ja, dabei kommen mir immer die besten Ideen
    6. Du könntest ohne Vorbereitung ein 15minütiges Referat über verschiedene Sorten und Typen Bügeleinlage, ihr Für und Wider und ihre Anwendungsbereiche halten. Ist ja auch nicht komplizierter als Serverarchitektur oder Webseitenprogrammierung. ja :-)
    7. Du nimmst mehrere Näh-Handbücher mit ins Bett, um die Kapitel zu einer bestimmten Thematik vor dem Einschlafen parallel zu lesen und und zu entscheiden, welches das beste ist. nein, nie
    8. Du schaust dir in Schnittmusterzeitschriften als erstes den Quellcode an: die technischen Zeichnungen und die Schnittteile in der Übersicht. Modellfotos sind nur was für Noobs. ja und ob – ist ja theoretisches Nähen oder Kleider für die Augen ;-)
    9. Du weißt aus dem Kopf, wie viel Stoff du für ein Kleid, eine Hose, einen Rock, eine Bluse in deiner Größe kaufen musst. ja
    10. Du verstürzt so gut wie jeden Tag irgendetwas. naja
    11. Du erzählst neuen Leuten zunächst nicht, dass du nähst, weil du fürchtest, dass du dann ihre Hosen kostenlos kürzen sollst oder sie einen Reißverschluss gewechselt haben wollen. (Änderungen und Flickarbeiten für andere sind für einen Nähnerd genausowenig interessant, wie Tante Hildes Probleme mit Fotoshop oder der Festplattencrash des Bruders der Freundin deines Bekannten für einen Computernerd.) ja
    12. Wenn du ein außergewöhnliches, gut sitzendes Kleidungsstück an jemanden siehst, überlegst du, ob es selbstgenäht sein könnte und ob du die Person darauf ansprechen sollst. ja, tue ich aber so gut wie nie, niemand setzt sich gern freiwillig in die Nesseln
    13. Du kennst mehr als eine Methode, einen Reißverschluss einzunähen. oh ja
    14. Du musst notgedrungen akzeptieren, dass du nicht alles nähen kannst, was du brauchst, aber du bedauerst dies. yep, d.h. ja
    15. Du hast Spaß an schöner Innenverarbeitung, buntem Futter und anderen Details, obwohl das keiner sieht. ja, nein, nein
    16. Du planst Urlaubs- und Geschäftsreisen so, dass du währenddessen oder auf dem Weg interessante Stoff- und Kurzwarenläden besuchen kannst. nein (nicht wirklich, aber manchmal gibt es eben interessante Zuuufälle...)
    17. Du hast Lieblingsmarken - in Bezug auf Nähgarn, Schnittmuster, Einlage, Reißverschlüsse, Scheren, Nähmaschinen... ja, ja, ja, ja, ja, ja ;-)
    18. Wenn du gerade nicht nähst und auch nicht mit etwas anderem Wichtigen beschäftigt bist, denkst du übers Nähen nach und planst neue Nähprojekte. ja, nein, ja

    macht dreizehnmal ja. Schauen wir mal hier...
    http://nahtzugabe.blogspot.de/2013/06/test-bin-ich-ein-nahnerd.html
    Aha. Bin ich also doch einer... Mist. ;-)  Muß ich nun einer Vereinigung zum Schutz des #nänerdtums beitreten? Oder alternativ bei twitter mitzwitschern? (nichts läge mir ferner...)

    Schöne kichernde Grüße, Sathiya

    Nähirrtum Nr.11

    1. jeder der eine Nähmaschine hat kann nähen
    2. Schnittmuster muß nicht angepaßt werden
    3. Zuschnitt braucht nicht so exakt sein, das zieht sich beim Nähen zurecht
    4. Nahtzugabe anzeichnen ist überflüssig
    5. Probeteil nähen nicht nötig
    6. welche Nähmaschine ist egal, Overlock unverzichtbar
    7. Stecknadeln oder Heften mit Nadel und Faden überflüssig, ich laß es weg, um Zeit zu sparen
    8. Stoffpreis und -qualität sind eigentlich egal
    9. ich bin zu blöd - ich kann das nicht
    10. ich brauche keinen Nähkurs
    11. Bügeln und Vorwaschen - frißt nur Zeit, das lass ich weg
    12. Nähtechniken - Reißverschluß, Knopfloch, unsichtbarer Saum sind zu schwer.

    Daß Vorwaschen und Bügeln Zeitfressen, die man fürs Nähen brauchen könnte, hört und liest man oft.
    Deswegen die Antwort auf die Frage - warum wäscht man die Stoffe vor und bügelt zwischendurch und am Ende des Nähens? Vielleicht beantwortet dieser Post einige Fragen.

    Vorwaschen - besonders zu empfehlen bei Baumwolle, Leinen, Mischgewebe
    Wollstoffe werden nicht vorgewaschen, genau genommen, überhaupt nicht gewaschen, sie gehören in die Reinigung, ebenso wie Seide.
    Polyester und andere synthetische Fasern müssen nicht vorgewaschen werden, es sei denn, sie riechen unangenehm oder man möchte die Farbe auswaschen. Viscose- und Acetat-Futterstoffe, Waschleder, Synthetikleder, Lackleder, Plüsch, Samt, Kunstfell, Fleece, Volumenvlies, aufbügelbare Einlage ebenfalls nicht waschen (das versteht sich eigentlich von selbst, aber man liest ja so einiges)
    Funktionsstoffe nicht waschen, vor allem dann nicht, wenn sie imprägniert sind
    Jeansstoffe erst fertig verarbeitet waschen, da sie unregelmäßig ausbluten, es sei denn, genau dieser Effekt wird gewünscht
    Warum vorwaschen? um Einlaufen beim fertigen Kleidungsstück zu verhindern, das Ausbluten von Farben zu minimieren, unangenehme Gerüche oder ungesunde Zusatzstoffe zu entfernen
    Leinen läuft bis zu 10 % ein, Baumwolle je nach Machart 5 bis 15 %, Nessel bzw. sehr locker gewebte Stoffe sogar bis zu 40 %. Wenn man sich nicht sicher ist, kann man eine Stoffprobe von ca. 10x10 cm waschen und nach dem Trocknen ausmessen.
    Anstelle einer Vorwäsche kann der Stoff auch gedämpft werden - per Dampfbügeleisen gründlich bedampfen, das minimiert das Einlaufen.

    Bügeln nach jedem größeren Arbeitsschritt klingt zunächst sehr arbeitsaufwendig, ist die Mehr-Arbeit aber wert.
    Warum: das Bügeln fixiert die Stofflagen, glättet die Nähte und verbessert die Form des Kleidungsstückes. Kleine Nähfehler können besonders bei Wollstoffen und Jerseys ausgebügelt werden (daher stammt auch der beliebte Spruch " etwas ausbügeln"), ebenso bei Baumwolle und Leinen. Synthetikstoffe und Mischgewebe mit Vorsicht und höchstens in Kunstseide-Einstellung bügeln, da die Kunstfasern schnell schmelzen (der unangenehme Geruch beim Baumwoll-Polyester-Hemd-bügeln ist auf die zu hohe Temperatur zurückzuführen), bei Seide ein (feuchtes) Tuch zwischen Stoff und Bügeleisen legen, Samt mit dem Flor nach unten auf einem Handtuch oder Samtstück liegend ohne Druck bügeln. Zum Abschluß der Näharbeit das fertige Kleidungsstück sorgfältig bügeln.(Ausnahmen: Dessous, Kleidung aus Samt, Leder, Kunstfasern)

    Eine Freundin, ihres Zeichens Schneidermeisterin, sagte gern: gut gebügelt ist halb genäht. Dasselbe sagte sie auch vom zuschneiden, vom Heften, vom Anprobieren... :-) doch wo sie recht hat, hat sie recht.

    Viel Erfolg und viel Vergnügen und Freude beim Nähen, Sathiya

    Montag, 24. Juni 2013

    Nähirrtum Nr. 9 und 10

    1. jeder der eine Nähmaschine hat kann nähen
    2. Schnittmuster muß nicht angepaßt werden
    3. Zuschnitt braucht nicht so exakt sein, das zieht sich beim Nähen zurecht
    4. Nahtzugabe anzeichnen ist überflüssig
    5. Probeteil nähen nicht nötig
    6. welche Nähmaschine ist egal, Overlock unverzichtbar
    7. Stecknadeln oder Heften mit Nadel und Faden überflüssig, ich laß es weg, um Zeit zu sparen
    8. Stoffpreis und -qualität sind eigentlich egal
    9. ich bin zu blöd - ich kann das nicht
    10. ich brauche keinen Nähkurs
    11. Bügeln und Vorwaschen - frißt nur Zeit, das lass ich weg
    12. Nähtechniken - Reißverschluß, Knopfloch, unsichtbarer Saum sind zu schwer.

    Das ist Irrtum Nr. 9, am besten gleich mit Nr. 10 in einem Post abgehandelt.
    Das Gute und Schöne an uns Menschen ist, daß wir eine blühende Phantasie haben, uns erinnern können und uns die Zukunft ausmale, daß wir träumen können und uns über die aktuellen Beschränkungen hinwegsetzen und etwas neues erfinden, etwas noch nie da gewesenes, und daß wir auch sehr gut nachahmen können.
    Das ist der Knackpunkt meines Posts.
    Wer von sich glaubt, er könne dies oder jenes nicht, hat schlichtweg Angst davor, es erstens allein erfinden zu müssen, zweitens ohne Hilfe verwirklichen zu müssen und drittens dabei zu versagen. Um vor sich selber und vor der Umgebung besser dazustehen, verkündet er/sie dann, er/sie könne die soder das ja sowieso nicht, das würde ja nie etwas, und wäre überhaupt nicht zu schaffen. Und sucht dann im Internet nach Step-by-step-tutorials, Bildernähkursen für die einfachsten Dinge, als sich endlich mal intensiv mit der Materie zu befassen. Im Glauben, mit der Kenntnis eines Tutorials würde alles von ganz allein flutschen, man könne sich ja die Bilder so oft ansehen wie man wollte.

    Leute, das wird aber nix.

    Glaubt daran, daß ihr etwas könnt, dann KÖNNT ihr es auch.
    Wenn euch etwas zu schwierig und geradezu unmöglich erscheint, ist ein kurzer Verzweiflungsanfall durchaus erlaubt und hilfreich, aber sagt euch danach immer wieder folgendes: anstelle von "ich bin zu blöd, ich kann das nicht" besser "ich kann das NOCH NICHT". Man glaubt kaum, was das kleine Wörtchen "noch" alles ausmacht. Ihr glaubt damit an euch, stellt euch selbst in Gedanken schon aufs Siegertreppchen, als es sei nur eine Frage der Zeit und der Sieg unausweichlich. Ist er auch.

    Leider liest man allzu häufig von Bloggerinnen, daß sie irgendein Teil "hingepfuscht" oder "zusammengepfuscht" haben. Zusammen mit den Schwierigkeiten mit dem aktuellen Nähstück, von denen sie berichten, erzeugt das einen ungünstigen Eindruck. Selbst wenn der Ausdruck Pfusch witzig und ironisch gemeint ist - je öfter man einen solchen negativ besetzten Ausdruck verwendet für seine eigenen Leistungen, umso mehr ist man irgendwann bereit, sie auch dafür zu halten, allein wegen des Wortes. Also, bitte auf die Sprache achten!

    Das bringt mich zum Irrtum Nr. 10 - ich brauche keine Nähkurs.

    Ein verbreiteter Irrtum. Mag sein, daß es die eine oder andere geniale Schneiderin gibt, die sich alles intuitiv und geschmackvoll selbst beibringt, aber: sowas ist leider nicht die Regel sondern die Ausnahme. Alle anderen benötigen ein Mindestmaß an Anleitung, sei es auch Büchern, Bildernähkursen oder tatsächlich einem geleiteten Nähkurs in einem Schneideratelier, bei einer Freundin, Schnittdirectrice, Volkshochschule, Nähatelier... Möglichkeiten gibt es viele.

    Es ist ratsam, auf die bereits bewährten Methoden zurückzugreifen und diese an verschiedenen Teilen und Probestücken zu üben. Und sich klarzumachen, daß man nicht das Rad oder die Kappnaht neu erfinden muß, und auch nicht, wie man Fadenenden sichert und Fäden vernäht. Dazu kann man einen Mini-Nähkurs ganz für sich allein zusammenstellen, um sich die Grundlagen ein für allemal anzueignen und zu festigen.

    Ich kann dazu die kurz und knapp geschriebenen Nähanleitungen aus der Ottobre empfehlen. Die Anleitungen aus Burdastyle sind für Anfänger nur bedingt geeignet, aber man kommt damit zurecht.

    Empfehlenswerte Nähbücher:
    ABC der Handarbeiten - "Nähen"  von einer Nähblogerin (http://nahtzugabe.blogspot.de/p/das-buch.html)
    Burda - "Nähen leicht gemacht" bzw. "Die neue Nähschule" (Inhalt identisch, Layout moderner)

    Viel Erfolg beim Nähen, Sathiya